Was unsern Christus Lang betrifft,

So hatte er sich eingeschifft,

Um in atlantischen Bezirken

Fürs heilige Christentum zu wirken.

 

In Boston war er hinterm Zaun

Wie′n Gnu für′n Dollar anzuschaun,

Mit ihm im feschen Dirndlkleid

Maria Magdala. All right.

 

Es wußten Mister, Miss und Missis

Bisher von Christus nichts Gewisses,

Bis salbungsvoll und blondbehaart

Er sich leibhaftig offenbart.

 

Er kommt aus Bayerns Urwaldwildnis,

Verkauft für zwanzig Cents sein Bildnis

Mit Palme, Kreuz und Ölbaumreis.

(In Holz geschnitzt ein höherer Preis.)

 

Ach, manche Miss entbrannte schon

Für ihn in großer - yes - Passion.

Barnum erblaßt vor Neid und kläfft:

Weiß Gott, sein Sohn versteht′s Geschäft...


Das Gedicht "Oberammergau in Amerika" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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