Ich bin ein Zeitfreiwilliger

Und stehle dem lieben Gott die Zeit.

Es lebt sich billiger, wenn man:

Nieder mit den Spartakisten schreit.

Fuffzehn Märker den Tag.

Daneben allens frei.

Es ist ein herrliches Leben.

Juchhei.

 

Ich verdiente mir meine Sporen

Bei Kapp.

Als dessen Sache verloren,

Zog ich ab.

Ich gehöre wieder zu den Regierungstreun

Und habe den Schutz der Verfassung erkoren.

Ich breche alle Eide von acht bis neun,

Die ich von sieben bis acht geschworen.

 

Neulich bei Mechterstädt: Pst...

Zeigten wir′s den Arbeiterlaffen.

Falls es irgendwo ruhig ist,

Muß man eben künstlich Unruhe schaffen.

Laßt die Maschinengewehre streichen! Ins Kabuff.

Immer feste druff.

Unsere Anatomie braucht Leichen.


Das Gedicht "Lied der Zeitfreiwilligen" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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