Hinter dem großen Spiegelfenster des Cafés

Sitz ich und sehe heiß auf das Straßenpflaster,

Suche im Treiben der Farben und Körper Heilung meines sentimentalen Wehs,

Sehe viele Frauen, Fremde, bunte Offiziere, Gauner, Japaner, sogar einen Negermaster.

Alle blicken sie zu mir und haben Sehnsucht nach der Musik im Innern,

Wollen träumerisch- und sanfter Töne sich erinnern.

Aber ich, an meinen Stuhl gebannt und gebrannt,

Starre, staune nach draußen unverwandt,

Daß jemand komme, freiwillig, nicht gedrängt,

Ein blondes Mädchen... eine braune Dirne...

In rosa, gelber, violetter Taille...

... Oder meinetwegen eine dicke Rentierkanaille

Mit schmalzigem, verfetteten Hirne -

Nur daß er mir für fünf Minuten seine Gegenwart schenkt!

Ich bin so einsam! Einsamer noch macht mich die süße Operette...

O läg ich irgendwo in dunkler Nacht

Ein Kind in einem Kinderbette,

Von einer Mutter zart zur Ruh gebracht...


Das Gedicht "Hinter dem großen Spiegelfenster..." stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte