Er hat als Jöhr von fuffzehn Jahren

Mir einst am Wedding uffjetan.

Wir sind nach Köpenick jefahren

Und sahen die Natur uns an.

Ick zog mir aus die rote Jacke.

Er hat für mich det Bier berappt,

Doch nach neun Monaten, au Backe,

Es hat jeschnappt, es hat jeschnappt.

 

Mein Emil is ne kesse Nummer,

Er hat schon manchen abgekehlt,

Doch fürcht′ er sich vor jedem Brummer,

So jut is er, so zart beseelt.

Mir is weiß Gott schon allens piepe,

Ick lag bei ihm im Bett - da trappt

Es uff der Treppe... der Polype...

Es hat jeschnappt, es hat jeschnappt...

 

Im Hof der ollen Zuchthausschenke

Steht blutbespritzt ein Podium,

Der dove Pastor macht Menkenke,

Man sieht sich noch im Kreise um.

Im Mauerwerk blüht blauer Flieder,

Die Zunge klebt wie angepappt,

Da saust des Henkers Beil hernieder,

Es hat jeschnappt, es hat jeschnappt...


Das Gedicht "Er hat als Jöhr..." stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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