Wir ziehen dahin von Hof zu Hof.

Arbeiten? Mensch, wir sind doch nicht dof.

Wir singen nicht schön, aber wir singen laut,

Daß das Eis in den Dienstmädchenherzen taut.

Jawoll.

 

Wir haben nur lausige Fetzen an,

Damit unser Elend man sehen kann.

Der hat keine Jacke und der kein Hemd,

Und dem sind Stiefel und Strümpfe fremd.

Jawoll.

 

Wir kriegen Kleider und Stullen viel,

Die verkaufen wir abends im Asyl.

Ein Schneider lud mitleidig uns zu sich ein,

Da schlugen wir ihm den Schädel ein.

Jawoll.

 

Wir singen das Lied vom guten Mond

Und sind katholisch, wenn es sich lohnt,

Auch singen wir völkisch voll und ganz

Für′n Sechser Heil dir im Siegerkranz.

Jawoll.

 

Unger, Boeger, Ransick, so heißen wir.

Auf die Gerechtigkeit scheißen wir.

Mal muß ja ein jeder in die Gruft,

Und wir, wir baumeln mal in der Luft.

Jawoll.


Das Gedicht "Die Ballade von den Hofsängern" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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