Er geht. Die schräge Stange trägt ihn linde.

Der Himmel schlägt um ihn ein Feuerrad.

Ein Lächeln fällt von einem mageren Kinde,

Und an dem Lächeln wird die Mutter satt.

 

Ein jeder fühlt sich über sich erhaben

Und tänzelt glücklich auf gespanntem Seil.

Die Menschen wimmeln braun wie Küchenschaben,

Und sind dem Blick der Höhe wehrlos feil.

 

Dort unten hockt in schmutzigen Galoschen

Das Niedere und Gemeine, und es hebt

Die Stirn zur Höhe für zwei povre Groschen,

An denen feucht der Schweiß des Werktags klebt.


Das Gedicht "Der Seiltänzer" stammt von   (1890 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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