1.

 

Ich wil euch Wunder-Dinge sagen,

wie sich die Liebe pflegt zujagen

und wächset jeden Augen-wink.

Indehm sie wie ein Steubchen scheinet,

wird sie ein Berg, eh man es meinet.

Ist dieses nicht ein Wunder-ding?

 

2.

 

Sobald die Jungfer wird gesehen,

pflegt man ihr künstlich nachzugehen.

Kein einig Blikkchen streichet fort,

daß man sie listig zu bewegen,

nicht alles Orts ihr geh entgegen

und wechsel Lieb′ und Liebes-wort′.

 

3.

 

Auff Rede folget Wieder-rede.

kein Weibes-bild ist je so blöde,

die auff den Gruß nicht danken solt′.

Alsdenn (hält ja die Zunge feste)

so tuht ein süsser Blikk das beste,

und zeuget, was das Herz gewollt.

 

4.

 

So bald des Buhlers Weis′ und Sitten

der Schämenden Gemüht bestritten,

und nu die Scheu wird schlecht geacht,

denn geht es an ein lieblen, scherzen,

an Hand-Fuß-drukken, küssen, herzen,

So ist der rechte Grund gemacht.

 

5.

 

Bald wird man mehr und mehr gemeine.

Man achtet Ehr und Schande kleine.

Das schlechtste heist: Ein Griff in Zucht.

Was ferner folgt, darff ich nicht singen,

es möchte mich in Argwohn bringen,

ich hätt′ es etwa selbst versucht.


Das Gedicht "Liebe vergrössert sich, wie ein gewelzter Schnee-ball" stammt von   (1632 - 1707).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

Weitere gute Liebesgedichte zum schmökern.

 



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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