Im stillen Wiesenthale

Ich einsam mich erging,

Als mich mit einemmale

Die feuchte Nacht umfing.

 

Die Sonne war gesunken,

Das Abendroth verglüht,

Die letzten goldnen Funken

Verglimmend ausgesprüht.

 

Die Nachtigall mit Schalle

Sang rings die Fluren ein;

Die Blumen schliefen alle,

Ich wacht' im Thal allein.

 

Nicht fern aus einem Hause,

Das, wie aus Duft gebaut,

Still wie des Siedlers Klause,

Aus Baumesdunkel schaut';

 

Hör' ich ein lieblich Klingen

Melodisch durch die Nacht

Von Kuß und Wonnen singen,

Und junger Liebe Macht. –

 

Und wie auf linden Wogen

Ein Kahn vom Hauch der Lust,

Fühl' ich mein Herz gezogen

Hin, wo das Lied mich ruft.

 

Und vor mir auf dem Wege

Tanzt hell ein goldner Schein,

Durch die verschlungnen Stege

Geleiter mir zu seyn.

 

Doch wie ich näher gehe,

Erstirbt der holde Schein,

Das Lied verklingt – ich stehe

Im öden Moor allein.

 

Der Weg ist mir verschwunden,

Hinweggerückt das Haus,

Mich hält die Nacht gebunden,

Die Leuchte – sie losch aus.

 

Getäuscht hat mich ein Schimmer,

Der mich gelockt von fern;

Ein Irrlicht war der Flimmer,

Ich hielt's für einen Stern! –


Das Gedicht "Getäuschte Hoffnung" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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