Mißtrau' nicht meinen Eiden,

Mißtraue meinem Glück;

Noch ist es Zeit, zu fliehen,

Noch kannst Du ruhig ziehen,

Nimm Deinen Ring zurück!

Mir träumt von nahen Leiden,

Drum besser ist's, mich meiden!

 

Sieh' an der Stirn ein Zeichen,

Daran werd' ich erkannt;

Es deutet Kampf und Kriege,

Das hat an meiner Wiege

Ein Dämon eingebrannt!

Der kam aus dunkeln Reichen,

Ich werd' ihm nicht entweichen! – –

 

Einst, als die Schlacht entglommen,

Sah ich in Kampfesnoth

Einen Soldaten trinken,

Und als er trank, ihn sinken

Hin auf den Rasen, todt:

Er hatt's nicht wahrgenommen,

Wie er den Schuß bekommen! –

 

Nun, weil ein Lächeln schweben

Du siehst um meinen Mund,

Und weil ich kräftig stehe,

Und hellen Blickes gehe,

Meinst Du mich kerngesund?

Ich aber fühl' ein Beben

In meinem tiefsten Leben! –

 

Drum warn' ich Dich, mein Leben!

Such' Dir ein bess'res Loos;

Mir macht mein Unstern bange,

Mir währt kein Segen lange,

Kein Glück zog ich noch groß;

Wenn ich's erreicht, dann eben

Seh' ich's von dannen schweben! –

 

Willst Du es dennoch wagen –

Nimm Hand- und Herzensschlag!

Laß denn vereint uns wandeln,

Und laß das Schicksal handeln

Und thun, was es vermag.

Was kommt in künft'gen Tagen,

Wohlan, wir wollen's tragen! –


Das Gedicht "Düstere Ahnung" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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