Emir Hassan, Enkel des Propheten,

Faltet seine Hände um zu beten,

Setzt sich auf den Teppich dann im Saale

Nieder, um zu kosten von dem Mahle. –

 

Und ein Sclave trägt vor ihn die Speise

Und er schüttet ungeschickter Weise

Von der Schüssel Inhalt, daß die Seide

Ward beflecket auf des Emirs Kleide.

 

Und der Sclave wirft sich auf die Erde

Und beginnt mit ängstlicher Geberde:

»Herr! des Paradieses Freuden theilen,

Die ihr Zürnen zu bemeistern eilen.«

 

»»Nun, ich zürne nicht!«« antwortet heiter

Hassan; und der Sclav versetzte weiter:

»Doch noch mehr belohnt wird, wer Verzeihen

Dem Beleidiger läßt angedeihen!« –

 

»»Ich verzeihe!«« So des Emirs Worte.

»Doch geschrieben steht am selben Orte,«

Sprach der Sclave: »daß am höchsten thronen

Soll, wer Böses wird mit Gutem lohnen! –«

 

»»Deine Freiheit will ich Dir gewähren,

Und dieß Gold hier, das Gebot zu ehren;

Mög' es nie geschehn, daß die Gesetze

Des Propheten Gottes ich verletze!««


Das Gedicht "Die Worte des Koran" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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