Amor schlich in stiller Nacht

In mein Haus verwogen,

Wie ich morgens aufgewacht,

War er eingezogen;

 

Als ich zürnte, bat er sehr,

Möcht' ihn nicht verjagen,

Sprach, er käm' von weitem her,

Würden uns vertragen;

 

Hätt' ihm nur ganz kurze Zeit

Herberg geben sollen,

Sey zu Gegendienst bereit,

Hat Zins zahlen wollen!

 

Und nun ist er noch im Haus,

Will noch länger bleiben,

Sagt, er gehe nicht hinaus,

Könn' ihn nicht vertreiben.

 

Spricht, es sey nur Scherz von mir,

Und fängt an zu lachen;

Ihm gefalle das Quartier –

Was kann ich da machen?

 

Und zuletzt fing mit Gewalt

Er mich an zu küssen;

Ob ich schrie, ob ich ihn schalt –

Hab' es leiden müssen! –


Das Gedicht "Die Ueberraschte" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte