Ein Mädchen stand am Abend

Vor ihres Hauses Thür:

Der Mond trat aus den Wolken

Mit blassem Schein herfür.

 

Da kam ein junger Reiter

Und nahm sie bei der Hand

Und spielt in ihren Locken

Und mit dem Busenband.

 

Und unter'm Federhute

Quoll fein goldlockig Haar!

Und sein Gesicht viel süßer

Noch als das Mondlicht war.

 

Und schmeichelnd klang die Stimme,

Und in des Mädchens Brust

Wogt' unbekanntes Drängen,

Wie Schmerz halb und wie Lust!

 

Und als er lang' geschmeichelt,

Ließ sie den Knaben ein

In ihrer stillen Klause

Verschlossen Kämmerlein.

 

Und faßt ihn in die Arme

Und blickt ihm in's Gesicht; –

Da traf sie jäher Schrecken –

Es war sein Antlitz nicht!

 

Ein Todtenschädel grins'te

Sie hohlen Auges an;

»Hilf Jesus!« schrie sie weinend,

Und all' ihr Blut gerann! –

 

Die Dirne liegt im Wahnsinn

Nun schon in's dritte Jahr;

Sie konnte nie erfahren,

Wer doch ihr Buhle war!


Das Gedicht "Der fremde Buhle" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte