Mädchen, nenne den Zauber,

Der mich gefangen hält,

Sage, was hast Du denn eigen,

Das mir so sehr gefällt?

 

Sind es die schelmischen Augen,

Die so zum Herzen mir gehn;

Dunkle, bewegliche Sterne –

Hab' doch schon schön're gesehn!

 

Sind es die schwellenden Lippen,

Würzig vom Athem versüßt,

Blühende, glühende Knospen!

Hab' doch schon schön're geküßt! –

 

Ist es des klopfenden Busens

Wogender, wallender Schnee,

Den ich mit gleichem Verlangen

Wieder und wieder seh'?

 

Sind's diese Hügel der Wonne,

Die so bestürmen das Blut?

Hab' doch wohl früher auch, traulich

Kosend, an manchen geruht!

 

Mädchen, so nenne den Zauber,

Der mich gefangen hält;

Sage, was hast Du denn eigen,

Das mir so sehr gefällt? –

 

Ach! 's ist die kindliche Seele,

Die noch gedankenlos träumt,

Während in jeglicher Ader

Leben und Jugend Dir schäumt!

 

Die nichts besorget, nichts ahnet,

Eines nur weiß: daß sie liebt;

Immer Nichts meinet zu geben,

Während sie Alles giebt! –


Das Gedicht "Bewußtlose Neigung" stammt von   (1790 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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