An Damis

 

Kaum erwäg ich recht mein Glücke,

Das mir deine Liebe giebt;

Freund, so wird im Augenblicke

Mein erschrocknes Herz betrübt:

Denn es wird die Stunde schlagen,

Und wie schnell rückt sie heran!

Da ich nichts, als mich beklagen,

Und kein Mensch mich trösten kann.

 

Der Gedanke, wenn wir scheiden,

Mischt zu meiner Freude Gift,

Webt in meine Ruhe Leiden,

Lähmt den Scherz, auf den er trifft.

Damis, laß uns zeitig trachten

Unsre Trennung auszustehn,

Lehre mich den Tod verachten,

Oder doch unschreckhaft sehn. - - -

 

Träum ich? Nein! noch darf ich hoffen,

Mein Entsetzen mindert sich.

Seh ich nicht die Zukunft offen,

Und dort, hinterm Grabe, mich?

Seh ich nicht, in jener Ferne,

Neue Welten prächtig gehn?

Neue Sonnen, neue Sterne,

Neue Menschen auferstehn?

 

Fleuch von hinnen, banges Schrecken,

Störe nicht die sanfte Ruh!

Herr, dein Wink wird mich erwecken:

Deine Liebe sagt mirs zu.

Sanfter Strom zukünftger Freuden!

Süße Hoffnung, die mir blüht,

Muß ich einst von Damis scheiden,

Daß mein Geist Ihn wieder sieht.


Das Gedicht "Trost der Liebe" stammt von (* 1725-11-25, † 1782-01-29).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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