Liebe, die du mich belehret,

Wie man süße Lieder singt:

Liebe, die die Scherze nähret,

Gib, daß mir ein Lied gelingt.

Weihe mit verliebten Scherzen

Meinen Trieb zur Dichtkunst ein,

Und bezwing durch mich die Herzen:

Ich will gern dein Herold seyn.

 

Theile dich mir mit, o! Liebe,

Wie dem Weisen, der dein Lob

Noch mit feurig starkem Triebe,

Bey des Alters Frost, erhob.

Ja, ich fühle schon dein Feuer:

Doch dein Einfluß wirkt den Scherz

Nicht in Liedern meiner Leyer,

Nein, er wirkt ihn in mein Herz.

 

Ach, ich fühl ihn! Deine Freuden

Sind ein süßer, banger Schmerz - -

Laß ihn toben, ich will leiden,

Und verwandl′ ihn nicht in Scherz.

Lehr mich, bitt ich itzt, vor allen,

Wenn mich Scherz und Jugend flieht,

Meinem Damis zu gefallen,

Der mein Herz stets nach sich zieht.


Das Gedicht "An die Liebe" stammt von (* 1725-11-25, † 1782-01-29).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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