Er:

Süße Freundin, noch Einen, nur Einen Kuß noch gewähre

Diesen Lippen! Warum bist du mir heute so karg?

Gestern blühte wie heute der Baum, wir wechselten Küsse

Tausendfältig; dem Schwarm Bienen verglichst du sie ja,

Wie sie den Blüten sich nahn und saugen, schweben und wieder

Saugen, und lieblicher Ton süßen Genusses erschallt.

Alle noch üben das holde Geschäft. Und wäre der Frühling

Uns vorübergeflohn, eh sich die Blüte zerstreut?

 

Sie:

Träume, lieblicher Freund, nur immer! rede von Gestern!

Gerne hör ich dich an, drücke dich redlich ans Herz.

Gestern, sagst du? - Es war, ich weiß, ein köstliches Gestern;

Worte verklangen im Wort, Küsse verdrängten den Kuß.

Schmerzlich wars, zu scheiden am Abende, traurig die lange

Nacht von gestern auf heut, die den Getrennten gebot.

Doch der Morgen kehret zurück. Ach, daß mir indessen

Zehnmal, leider! der Baum Blüten und Früchte gebracht!


Das Gedicht "Das Wiedersehn" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte