Füllest wieder Busch und Tal

Still mit Nebelglanz

Lösest endlich auch einmal

Meine Seele ganz;

 

Breitest über mein Gefild

Lindernd deinen Blick,

Wie des Freundes Auge mild

Über mein Geschick.

 

Jeden Nachklang fühlt mein Herz

Froh und trüber Zeit,

Wandle zwischen Freud′ und Schmerz

In der Einsamkeit.

 

Fließe, fließe, lieber Fluß,

Nimmer werd ich froh,

So verrauschte Scherz und Kuß,

Und die Treue so.

 

Ich besaß es doch einmal

Was so köstlich ist!

Daß man doch zu seiner Qual

Nimmer es vergißt!

 

Rausche, Fluß, das Tal entlang

Ohne Rast und Ruh,

Rausche, flüstre meinem Sang

Melodien zu!

 

Wenn du in der Winternacht

Wütend überschwillst,

Oder um die Frühlingspracht

Junger Knospen quillst.

 

Selig wer sich vor der Welt

Ohne Haß verschließt,

Einen Freund am Busen hält

Und mit dem genießt,

 

Was von Menschen nicht gewußt

Oder nicht bedacht.

Durch das Labyrinth der Brust

Wandelt in der Nacht.


Das Gedicht "An den Mond" stammt von   (1749 - 1832).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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