Zaig, Chind ! Wie het sell Spätzli gsait?

Waisch’s nümme recht? Was luegsch rni a? -

"`s het gsait: I bi der Vogt im Dorf;

i mueß vo allem d’Vorles ha."

Un wo der Spöötlig sait: ’s isch gnueg!,

was tuet my Spatz, wo d’Vorles het? -

"Er list am Bode d’Brösli uf,

sust müeßt er hungerig ins Bett."

Un wo der Winter d’Felder denkt,

was tuet my Spatz in syner Not?

"Er pöpperlet am Fenster a

un bettlet um e Stückli Brot.

Gang, gib ern, Muetter ! `s friert en sust."

Zaig, sag mer zerst, ’s pressiert nit so:

wie chunnt’s der mit dem Spätzli vor?

Mainsch nit, es chönnt aim au so goh? -

Chind, wird’s der wohl un ’s goht der guet,

sag nit: i bi ne riiche Heer,

un iß nit Brotis alli Tag!

,s chönnt anderst werde, handumchehr.

Iß nit der chrosplig Ranft vom Brot

un loß die waiche Brosme stoh!

- De hesch’s im Bruuch! - Es chunnt e Zyt,

un wenn de’s hättsch, wie wärsch so froh!

Ne blaue Möntig währt nit lang,

un d’Wuche het no menggi Stund,

un menggi Wuche lauft dur’s Dorf,

bis jedem au sy letschti chunnt.

Un was men in sym Früehlig lehrt,

me trait nit schwer un het’s emool,

un was men in sym Summer spart,

das chunnt aim in sym Spöötlig wohl.

Chind, denk mer dra, un halt di guet!

"O Muetter, lueg! der Spatz will goh!

Se gang er! Leng die Hirse dört

un streu ein! Er wird widerchoo!


Das Gedicht "Der Sperling am Fenster" stammt von   (1760 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte