Schlof wohl, schlof wohl im chüle Bett!

De ligsch zwor hert uf Sand und Chies;

doch spürt’s di müede Rucke nit.

Schlof sanft und wohl!

Und ‘s Deckbett lit der, dick und schwer

in d’Höchi gschüttlet, uffem Herz.

Doch schlofsch im Friede, ‘s druckt di nit.

Schlof sanft und wohl!

De schlofsch und hörsch mi »Bhütdi Gott«,

de hörsch mi sehnli Chlage nit.

Wär’s besser, wenn de ‘s höre chönntsch?

Nei, weger nei!

O, ‘s isch der wohl, es isch der wohl!

Und wenni numme bi der wär,

se wär schon alles recht und gut.

Mer tolten is.

De schlofsch und achtisch ‘s Unrueih nit

im Chilcheturn die langi Nacht,

und wenn der Wächter Zwölfi rüeft

im stille Dorf.

Und wenn’s am schwarze Himmel blizt,

und Gwülch an Gwülch im Donner chracht,

se fahrtder ‘s Wetter übers Grab,

und weckt di nit.

Und was di früeih im Morgerot

bis spot in d’Mittnacht bchümmert het,

gottlob, es ficht di nümmen a

im stille Grab.

Es isch der wohl, o, ‘s isch der wohl!

und alles, was de glitte hesch,

Gott Lob und Dank, im chüele Grund

tut’s nümme weh.

Drum, wenni numme bi der wär,

so wär jo alles recht und gut.

Jez sitzi do, und weiß kei Trost

mim tiefe Schmerz.

Doch öbbe bald, wenn’s Gottswill isch,

se chunnt mi Samstig-z’ oben au,

und druf, se grabt der Nochber Chlaus

mir au ne Bett.

Und wenni lig, und nümme schnuuf,

und wenn sie ‘s Schloflied gsunge hen,

se schüttle sie mer ‘s Deckbett uf,

und – »Bhütdi Gott!«

I schlof derno so sanft wie du,

und hör’ im Chilchturn ‘s Unrueih nit.

Mer schlofe, bis am Sunntig früeih

der Morge taut.

Und wenn emol der Sunntig tagt,

und d’Engel singe ‘s Morgelied,

se stöhn mer mitenander uf,

erquickt und gsund.

Und ‘s stoht e neui Chilche do,

sie funklet hell im Morgerot.

Mer göhn, und singen am Altar

Hallelujah!


Das Gedicht "Auf einem Grabe" stammt von   (1760 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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