I.

Wir, Brüder, sind noch Zecher
Von altem Schrot und Korn!
Wir leeren frisch die Becher,
Ohn’ Eifersucht und Zorn!
Uns klinget silbertönig
Der Gläser Melodei!
Und unser Ehrenkönig
Hält gute Polizei!

Behauptung und Bestreitung
Hat nie uns aufgebläht!
Wir wissen aus der Zeitung
Nur ob der Wein geräth.
In Ruhe mein’ und glaube
Sogar der Muselmann!
Die Lästrung nur der Traube
Entstellt den Alkoran.

Friedselig ohne Grübeln
Sitzt man am vollen Glas;
Auch übel läßt man übeln:
Nur messe gleiches Maß.
O Frankreichs armer König,
Woher dein Volksgewühl?
Der eine trank zu wenig,
Der andre trank zu viel!

II.

     Trinkt, Freunde, der Reben
     Entflammten Saft!
     Er würzet das Leben
     Mit Freud’ und Kraft!

Der Wassertrinker verzweifelt,
Wo keck, vom Weine beträufelt,
Des Zechenden Seele beginnt und schaft!

     Schaut heute, wie blasser
     Der Mond da schleicht!
     Was trank er auch Wasser?
     Es zehrt und bleicht!

An Aug’ und Wange verkläret
Ist, wer die Flasche geleeret;
Voll Genius taumelt er, kühn und leicht!

     Wie quaken und unken
     Die Frösch’ im Sumpf?
     Wer Wasser getrunken
     Der röchelt dumpf!

Mit Wein die Herzen erweitert!
Dann tönt die Stimme geläutert,
Und gellt dem Lyäus Ïó Triumf!


Das Gedicht "Trinklied" stammt von   (1751 - 1826).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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