Es ging ein Mann zur Frühlingszeit

Durch Busch und Felder weit und breit

Um Birke, Buch′ und Erle;

Der Bäume, Grün im Maienlicht,

Die Blumen drunter sah er nicht.

 

Er suchte seine Perle.

Die Perle war seine höchstes Gut,

Er hatt′ um sie des Meeres Flut

Durchschifft, und viel gelitten;

Von ihr des Lebens Trost gehofft,

Im Busen sie bewahrt, und oft

Dem Räuber abgestritten.

 

Der arme Pilger! So wie er,

Geh′ ich zur Frühlingszeit umher

Um Birke, Buch′ und Erle;

Des Maies Wunder seh′ ich nicht;

Was aber, ach! was mir gebricht,

Ist mehr als eine Perle.

 

Was mir gebricht, was ich verlor,

Was ich zum höchsten Gut erkor,

Ist Lieb′ in treuem Herzen.

Vergebens wall′ ich auf und ab;

Doch find′ ich einst ein kühles Grab,

Das endet alle Schmerzen.


Das Gedicht "Die Perle" stammt von   (1740 - 1814).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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