„Weißt Du noch,“ so frug die Eintagsfliege
Abends, „wie ich auf der Stiege
Damals dir den Käsekrümel stahl?“
Mit der Abgeklärtheit eines Greises

Sprach der Fliegenmann: „Gewiss, ich weiß es!“
Und er lächelte: „Es war einmal -“

„Weißt du noch“, so fragte weiter sie,
„Wie ich damals unterm sechsten Knie
Jene schwere Blutvergiftung hatte?“ -
„Leider“, sagte halb verträumt der Gatte.

„Weißt du noch wie ich, weil ich dir grollte,
Fliegenleim-Selbstmord verüben wollte?? -
Und wie ich das erste Ei gebar?? -
Weißt du noch, wie es halb sechs Uhr war?? -

Und wie ich in Milch gefallen bin?? - -“

Fliegenmann gab keine Antwort mehr,
Summte leise, müde vor sich hin:
„Lang, lang ist's her - - lang - - -“


Das Gedicht "Ein ganzes Leben" stammt von   (1883 - 1934).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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