Im Grünen geboren,

Am Bache gefreit,

Wie ist mir das Leben,

Das liebe, so weit!

 

Heut hab ich geträumt

Von dem Wasser tief,

Wo ich im Dunkel

Nicht schlief, nicht schlief!

 

Was sich im Weiher

Spiegeln ging,

In meinen wachen

Augen sich fing:

 

Die traurigen Bäume,

Durch die es blinkt,

Wenn der Ball, der große,

Rot-atmend sinkt,

 

Die blassen Mädchen,

Die lautlos gehn,

Mit weißen Augen

Ins Dunkel sehn,

 

Und der Waldfrauen

Flüsternde Schar,

Mit Laub und Kronen

Im offenen Haar ...

 

Rotgoldne Kronen?

Und Perlschnüre schwer?

Ich hab es vergessen,

Ich finds nimmermehr.


Das Gedicht "Melusine" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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