Das längst Gewohnte, das alltäglich Gleiche,

Mein Auge adelt mirs zum Zauberreiche:

Es singt der Sturm sein grollend Lied für mich,

Für mich erglüht die Rose, rauscht die Eiche.

Die Sonne spielt auf goldnem Frauenhaar

Für mich - und Mondlicht auf dem stillen Teiche.

Die Seele les ich aus dem stummen Blick,

Und zu mir spricht die Stirn, die schweigend bleiche.

Zum Traume sag ich. »Bleib bei mir, sei wahr!«

Und zu der Wirklichkeit: »Sei Traum, entweiche!«

Das Wort, das Andern Scheidemünze ist,

Mir ists der Bilderquell, der flimmernd reiche.

Was ich erkenne. ist mein Eigentum,

Und lieblich locket, was ich nicht erreiche.

Der Rausch ist süß, den Geistertrank entflammt,

Und süß ist die Erschlaffung auch, die weiche.

So tiefe Welten tun sich oft mir auf,

Daß ich drein glanzgeblendet, zögernd schleiche,

Und einen goldnen Reigen schlingt um mich

Das längst Gewohnte, das alltäglich Gleiche.


Das Gedicht "Für mich..." stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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