Mit silbergrauem Dufte war das Tal

Der Dämmerung erfüllt, wie wenn der Mond

Durch Wolken sickert. Doch es war nicht Nacht.

Mit silbergrauem Duft des dunklen Tales

Verschwammen meine dämmernden Gedanken,

Und still versank ich in dem wehenden,

Durchsichtigen Meere und verließ das Leben.

Wie wunderbare Blumen waren da,

Mit Kelchen dunkelglühend! Pflanzendickicht,

Durch das ein gelbrot Licht wie von Topasen

In warmen Strömen drang und glomm. Das Ganze

War angefüllt mit einem tiefen Schwellen

Schwermütiger Musik. Und dieses wußt ich,

Obgleich ichs nicht begreife, doch ich wußt es:

Das ist der Tod. Der ist Musik geworden,

Gewaltig sehnend, süß und dunkelglühend,

Verwandt der tiefsten Schwermut.


Das Gedicht "Erlebnis" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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