I

Hörtest du denn nicht hinein,

Daß Musik das Haus umschlich?

Nacht war schwer und ohne Schein,

Doch der sanft auf hartem Stein

Lag und spielte, das war ich.

Was ich konnte. sprach ich aus:

»Liebste du, mein Alles du!«

Östlich brach ein Licht heraus,

Schwerer Tag trieb mich nach Haus,

Und mein Mund ist wieder zu.

 

II

 

IM GRÜNEN ZU SINGEN

 

War der Himmel trüb und schwer,

Waren einsam wir so sehr,

Voneinander abgeschnitten!

Aber das ist nun nicht mehr:

Lüfte fließen hin und her-,

Und die ganze Welt inmitten

Glänzt, als ob sie gläsern wär.

Sterne kanten aufgegangen,

Flimmern mein- und deinen Wangen,

Und sie wissens auch:

Stark und stärker wird ihr Prangen;

Und wir atmen mit Verlangen,

Liegen selig wie gefangen.

Spüren eins des andern Hauch.

 

III

 

Die Liebste sprach: »Ich halt dich nicht,

Du hast mir nichts geschworn.

Die Menschen soll man halten nicht,

Sind nicht zur Treu geborn.

Zieh deine Straßen hin, mein Freund,

Beschau dir Land um Land,

In vielen Betten ruh dich aus,

Viel Frauen nimm bei der Hand.

Wo dir der Wein zu sauer ist,

Da trink du Malvasier,

Und wenn mein Mund dir süßer ist,

So komm nur wieder zu mir!«


Das Gedicht "Drei kleine Lieder" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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