In der Mitte aller Dinge

Wohne Ich, der Sohn des Himmels.

Meine Frauen, meine Bäume,

Meine Tiere, meine Teiche

Schließt die erste Mauer ein.

Drunten liegen meine Ahnen:

Aufgebahrt mit ihren Waffen,

Ihre Kronen auf den Häuptern,

Wie es einem jeden ziemt,

Wohnen sie in den Gewölben.

Bis ins Herz der Welt hinunter

Dröhnt das Schreiten meiner Hoheit.

Stumm von meinen Rasenbänken,

Grünen Schemeln meiner Füße,

Gehen gleichgeteilte Ströme

Osten-, west- und süd- und nordwärts,

Meinen Garten zu bewässern,

Der die weite Erde ist.

Spiegeln hier die dunkeln Augen.

Bunten Schwingen meiner Tiere,

Spiegeln draußen bunte Städte,

Dunkle Mauern, dichte Wälder

Und Gesichter vieler Völker.

Meine Edlen, wie die Sterne,

Wohnen rings um mich, sie haben

Namen, die ich ihnen gab,

Namen nach der einen Stunde.

Da mir einer näher kam,

Frauen, die ich ihnen schenkte,

Und den Scharen ihrer Kinder;

Allen Edlen dieser Erde

Schuf ich Augen, Wuchs und Lippen.

Wie der Gärtner an den Blumen.

Aber zwischen äußern Mauern

Wohnen Völker meine Krieger,

Völker meine Ackerbauer.

Neue Mauern und dann wieder

Jene unterworfnen Völker,

Völker immer dumpfern Blutes,

Bis ans Meer, die letzte Mauer,

Die mein Reich und mich umgibt.


Das Gedicht "Der Kaiser von China spricht:" stammt von   (1874 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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