Der Blas- und Eu-Phemieen reiche Kette

Hab′ ich geschlungen dir, Geliebte, um das Bein.

Und wenn ich sonst nichts von Belang mehr täte,

So könntest du mir Kakadu und Sperber sein.

Erinnre dich der Nacht in jenem Bette,

Als eine Spinne alle weißen Perlen fraß,

Als über dich gebeugt die Freundin Juliette

Zu Häupten dir und mir zu Füßen saß.

Empörte Fistelstimmen stelzten aus der Mette.

Tuberkulinsaft blumte groß auf Tisch und Wänden.

Der Mond hing sich ans Morgenrot in Glatzenglätte

Und malte grüne Ringel deinen Händen.

Dann kam der Sommer und ein groß Gefrette.

Auch Kraniche geruhn, sich hoch zu schneuzen.

Und wenn ich dies nicht zu bemerken hätte,

So hätte jenes nichts zu benedeuzen.

Nur sollt ich nicht gehabt die Telegraphendrätte

Zu sehr bewegt nach dir, als schließlich du entschwandest.

Denn dieses tatst du in der Magensätte

Des ersten Tags mit dem, den du nicht kanntest.

 


Das Gedicht "Der Geliebten" stammt von   (1886 - 1927).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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