Ein politisch Lied, ein garstig Lied!

So dachten die Dichter mit Göthen

Und glaubten, sie hätten genug gethan,

Wenn sie könnten girren und flöten

Von Nachtigallen, von Lieb und Wein,

Von blauen Bergesfernen,

Von Rosenduft und Lilienschein,

Von Sonne, Mond und Sternen.

 

Ein politisch Lied, ein garstig Lied!

So dachten die Dichter mit Göthen

Und glaubten, sie hätten genug gethan,

Wenn sie könnten girren und Flöten -

Doch anders dachte das Vaterland:

Das will von der Dichterinnung

Für den verbrauchten Leiertand

Nur Muth und biedre Gesinnung.

 

Ich sang nach alter Sitt′ und Brauch

Von Mond und Sternen und Sonne,

Von Wein und Nachtigallen auch,

Von Liebeslust und Wonne.

Da rief mir zu das Vaterland:

Du sollst das Alte lassen,

Den alten verbrauchten Leiertand,

Du sollst die Zeit erfassen!

 

Denn anders geworden ist die Welt,

Es leben andere Leute;

Was gestern noch stand, schon heute fällt,

Was gestern nicht galt, gilt heute.

Und wer nicht die Kunst in unserer Zeit

Weiß gegen die Zeit zu richten,

Der werde nun endlich bei Zeiten gescheit

Und lasse lieber das Dichten!


Das Gedicht "Ein Lied aus meiner Zeit" stammt von   (1798 - 1874).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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