Bin ich in später Nacht allein,

Wenn alles ruht, wenn alles schweigt,

O wie sich dann mein ganzes Sein

Zu dir mit Macht hinüber neigt!

Und wieder kommt dein liebes Bild

Hold lächelnd wie an jenen Tagen,

Und nickt mir zu, als spräch es mild:

"Mein armer Junge, laß dein Klagen!

Noch bist du mein, noch bin ich dein,

Schütt aus dein Herz an meinem Herzen,

Vergessen wirst du alle Pein

Und alle noch so herben Schmerzen." -

 

Einst hast du oft dies Wort gesagt,

Mich dann gestreichelt und umschlungen,

Wenn ich in trüber Zeit geklagt,

Wenn ich mit Sorgen bang gerungen.

Nun bist du fort, nun bist du fern,

Wie hat sich alles nun gewendet,

Doch immer bist du noch ein Stern,

Der seine schönen Strahlen sendet,

Denn immer kommt dein liebes Bild,

Hold lächelnd wie in jenen Tagen,

Und nickt mir zu, als spräch es mild:

"Mein armer Junge, laß dein Klagen!"


Das Gedicht "Bin ich in später Nacht allein" stammt von   (1821 - 1902).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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