Original

Manigem herzen tet der kalte winter leide
dc hat vber wunden walt vnd ǒch dú heide
mit ir gruner varwe cleide
winter mit dir al min truren hinnen scheide.

Swenne der meýe die vil kalten zit beslússet
vnd dc tů die blůmen an der wise begússet
vnd der walt von sange dússet
min lip des an froiden wol genússet.

Min lieb mag mich gerne zv der linden bringen
den ich nahe mines herzen brvst wil twingen
er sol tǒgen von blvmen swingen
ich wil vmb ein núwes krenzel mit im ringen.

Ich weis wol dc er mir niemer des entwenket
swas min herze froiden an sinen lip gedenket
der mir al min truren krenket
von vns beiden wirt der blvmen vil verrenket.

Ich wil in mit blanken armen vmbevahen
mit minem roten mvnde an sinen balde gahen
dem min ǒgen des veriahen
das si nie so rehte liebes niht gesahen.

Übersetzung auf Hochdeutsch

Der Winter tat manchem mit Frost viel zuleide,
Doch hat ihn verwunden der Wald und die Heide,
Sie prangen nun wieder im farbigen Kleide,
O Winter, mit dir auch mein Gram von mir scheide.

Wenn Mailuft die frostigen Tage beschließt,
Und Tau rings die Blumen der Wiese begießt,
Wenn ringsum Gesang durch die Waldung erfließt,
Mein Herz dann in Freuden solch Leben genießt.

Mein Schatz mag mich führen zum Platz bei den Linden,
Er soll mir am Herzen ein Plätzchen auch finden,
Soll Blumen auch pflücken, ich will sie dann binden
Und will mir ein Kränzlein, ein neues, draus winden.

Ich weiß, daß sein Sinnen von mir sich nicht lenkt,
Wie immer auch mein Herz nur seiner gedenkt;
Durch ihn ward mein Trauern für immer versenkt,
Wir haben uns Blumen und Herzen geschenkt.

Ich will ihn mit Armen wohl fest an mich drücken,
Und will ihm vom Munde viel Küsse noch pflücken.
Mein Auge soll recht sich an seinem erquicken,
Weil nirgend so Liebes als ihn sie erblicken.

Nachgedichtet von Richard Zoozmann (1863-1934)


Das Gedicht "Manigem herzen tet der kalte winter leide" stammt von   (1149 - 1194).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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