I

 

Hât man mich gesehen in sorgen,

des ensol niht mêr ergân.

wol vröiwe ich mich alle morgen,

daz ich die vil lieben hân

Gesehen in ganzen vröiden gar.

nu vliuch von mir hin, langez trûren!

ich bin aber gesunt ein jâr.

 

II

 

Sî kan durch diu herzen brechen

sam diu sunne dur daz glas.

ich mac wol von schulden sprechen:

"si ganzer tugende ein adamas!"

Sô ist diu liebiu vrowe mîn

ein wunnebernder süezer meije,

ein wolkelôser sunnen schîn.

 

III

 

Ob si mînre nôt, diu guote,

wolde ein liebez ende geben,

mit den vrôn in hôhem muote

saehe man mich danne leben.

Die wîle sô daz niht ist beschehen,

sô muoz man bî der ungemuoten

schar mich in den sorgen sehen.


Das Gedicht "XXXI. Hât man mich gesehen in sorgen" stammt von   (1149 - 1221).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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