Original
Vrowe, wilt du mich genern,
sô sich mich ein vil lützel an.
ich enmac mich langer niht erwern,
den lîp muoz ich verlorn hân.
Ich bin siech, mîn herze ist wunt.
vrowe, daz hânt mir getân
mîn ougen und dîn rôter munt.
Vrowe, mîne swaere sich,
ê ich verliese mînen lîp.
ein wort du spraeche wider mich:
verkêre daz, du saelic wîp!
Du sprichest iemer neinâ neinâ nein,
neinâ neinâ nein.
daz brichet mir mîn herze enzwein.
maht du doch eteswenne sprechen jâ,
jâ jâ jâ jâ jâ jâ jâ?
daz lît mir an dem herzen nâ.
Übersetzung auf Hochdeutsch
Herrin, wenn du mich retten willst,
dann sieh mich doch ein wenig an.
Ich vermag nicht länger Widerstand zu leisten,
bald wird es um mein Leben geschehen sein.
Ich bin krank, mein Herz ist verwundet.
Herrin, das haben mir meine Augen angetan
und dein roter Mund.
Herrin, schau auf meine Qual,
bevor mein Leben dahinschwindet.
Du sagtest einst ein Wort zu mir:
Nimm es zurück, gepriesene Frau,
die auch Glück zu schenken vermag.
Du sagst immer nein, nein, nein, nein, nein,
nein, das bricht mir das Herz.
Kannst du nicht doch zuweilen ja sagen,
ja, ja, ja, ja, ja, ja, ja?
Das liegt mir so am Herzen.
Frau, wenn du mich erretten willst,
So sieh mich doch ein wenig an:
Wenn du die große Not nicht stillst,
So ist es bald um mich getan.
Ich bin siech, mein Herz ist wund:
Frau, das haben mir gethan meine Augen und dein roter Mund.
Frau, bedenkst du nicht mein Leid,
Verlier ich Leben bald und Leib.
Ein Wörtchen sprachst du jederzeit,
Verkehre das, du selig Weib!
Du sprachest immer: Nein, o nein,
O nein, o nein, o nein: das bricht mein Herz und wär es Stein.
Sprich nun doch auch einmal ja,
Ja ja, ja ja, ja ja! Das liegt meinem Herzen nah.
Nachgedichtet von Karl Simrock (1802-1876)
Frau, wenn du mich erretten willst,
So sieh mich doch ein wenig an:
Wenn du die große Not nicht stillst,
So ist es bald um mich getan.
Denn ich bin siech, mein Herz ist wund:
O Frau, das hat mir zugefügt
Dein Auge klar, dein roter Mund.
Frau, wenn du nicht mein Leid bedenkst,
Verlier ich Leben bald und Leib.
Ein böses Wort du stets mir schenkst,
Ach, dreh es um, holdselig Weib!
Du sprichst nur immer: Nein, o nein,
O nein, und immer nur o nein:
Das bricht mein Herz und wärs von Stein:
So sprich doch nun auch einmal ja,
Ja ja und noch einmal ja ja!
Das liegt wohl meinem Herzen nah.
Nachgedichtet von Richard Zoozmann (1863-1934)
Fraue, willst du retten mich,
So sieh mich doch ein wenig an,
Jedweder wehr entsage ich,
Mich selbst will ich verloren han.
Ich bin siech, mein herz ist wund.
Fraue, das hat mit getan
Mein auge und dein roter mund.
Fraue, sieh die schwere last,
Eh ich verliere meinen leib,
Wenn du ein wort nur für mich hast,
So wende das, du selig weib.
Du sprichst immer neina, nein,
Neina, neina, neina, nein,
Das bricht mir doch das herz entzwein.
Magst du doch einmal sprechen ja,
Ja ja, ja ja, ja ja ja,
Das liegt mir an dem herzen nah.
Nachgedichtet von Friedrich Wolters (1876-1930)
Gedichte