Ehmals glaubt ich, alle Küsse,

die ein Weib uns gibt und nimmt,

seien uns, durch Schicksalschlüsse,

schon urzeitlich vorbestimmt.

 

Küsse nahm ich und ich küßte

so mit Ernst in jener Zeit,

als ob ich erfüllen müßte

Taten der Notwendigkeit.

 

Jetzo weiß ich, überflüssig,

wie so manches, ist der Kuß,

und mit leichtern Sinnen küß ich,

glaubenlos im Überfluß.


Das Gedicht "Epilog (Erfahrung)" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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