Täglich ging die Wunderschöne
Sultanstochter auf und nieder
Um die Abendzeit am Springbrunn,
wo die weißen Wasser Plätschern.
Täglich stand der junge Sklave
Um die Abendzeit am Springbrunn,
wo die weißen Wasser plätschern;
täglich ward er bleich und bleicher.
Eines Abends trat die Fürstin
Auf ihn zu mit raschen Worten:
" Deinen Namen will ich wissen,
deine Heimat, deine Sippschaft!"
und der Sklave sprach: "Ich heiße
Mohamed, ich bin aus Yemen,
und mein Stamm sind jene Asra,
Welche sterben, wenn sie lieben."
Das Gedicht "Der Asra" stammt von Heinrich Heine (* 1797-12-13, † 1856-02-17).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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