Eine Rosenknospe war

Sie, für die mein Herz erglühte;

Doch sie wuchs, und wunderbar

Schoss sie auf zu voller Blüte.

 

Ward die schönste Ros im Land,

Und ich wollt die Rose brechen,

Doch sie wusste mich pikant

Mit den Dornen fortzustechen.

 

Jetzt, wo sie verwelkt, zerfetzt

Und verklatscht von Wind und Regen -

Liebster Heinrich bin ich jetzt,

Liebend kommt sie mir entgegen.

 

Heinrich hinten, Heinrich vorn,

Klingt es jetzt mit süssen Toenen;

Sticht mich jetzt etwa ein Dorn,

Ist es an dem Kinn der Schönen.

 

Allzu hart die Borsten sind,

Die des Kinnes Wärzchen zieren-

Geh ins Kloster, liebstes Kind,

Oder lasse dich rasieren.


Das Gedicht "Alte Rose" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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