Am blassen Meeresstrande

Saß ich gedankenbekümmert und einsam.

Die Sonne neigte sich tiefer, und warf

Glührote Streifen auf das Wasser,

Und die weißen, weiten Wellen,

Von der Flut gedrängt,

Schäumten und rauschten näher und näher -

Ein seltsam Geräusch, ein Flüstern und Pfeifen,

Ein Lachen und Murmeln, Seufzen und Sausen,

Dazwischen ein wiegenliedheimliches Singen -

Mir war, als hört ich verschollne Sagen,

Uralte, liebliche Märchen,

Die ich einst, als Knabe,

Von Nachbarskindern vernahm,

Wenn wir am Sommerabend,

Auf den Treppensteinen der Haustür,

Zum stillen Erzählen niederkauerten,

Mit kleinen horchenden Herzen

Und neugierklugen Augen; -

Während die großen Mädchen,

Neben duftenden Blumentöpfen,

Gegenüber am Fenster saßen,

Rosengesichter,

Lächelnd und mondbeglänzt.


Das Gedicht "Abenddämmerung" stammt von (* 1797-12-13, † 1856-02-17).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte