Kannst du den Schimmer deiner Stadt

Mit mir, o meine Daphne, fliehen?

Aus Sälen voller Prunk und Staat

In eine kleine Hütte ziehen?

Kannst du für Thorenlob zu groß

Der eitlen Zirkel dich entwöhnen,

Wo Glanz und Hoheit dich umfloß,

Wo du die schönste warst der schönen.

 

O Daphne, kannst du dich so leicht

Von jedem Stolz des Glückes scheiden?

Den Frost der deine Wangen bleicht,

Den heißen Strahl des Mittags leiden?

Kann diese weiche weiße Hand

Zu harter Arbeit sich gewöhnen,

Die nur der Freude Kränze wand,

Wo du die schönste warst der schönen?

 

O Daphne, kann dein zartes Herz

Gefahr und Unglück mit mir theilen?

Kannst du den Gram, kannst du den Schmerz

Durch deine sanfte Stimme heilen?

Wenn halbgebrochen um dich her

Nur meine kranken Seufzer stönen,

Denkst du an jenen Ort nicht mehr,

Wo du die schönste warst der schönen?

 

Und wird des Todes kalter Hauch

Mein leidendes Gesicht entstellen,

Kannst du mit diesem Lächeln auch

Des Grabes dunkle Nacht erhellen?

Fühlst du noch meinen letzten Blick?

Gibst meinem Staube deine Thränen?

Und denkst dahin nicht mehr zurück

Wo du die schönste warst der schönen?


Das Gedicht "An Daphne" stammt von   (1744 - 1806).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte