Jüngst ging ich meinem Verlangen nach

In ein Bergnest, das einst mich freute:

Noch flirrten die Erlen, noch rauschte der Bach,

Noch grüßten mich freundliche Leute.

 

Doch den Platz, wo ich damals träumte und trank

In brausenden Jugendstunden:

Vorm alten Wirtshaus die alte Bank,

Die hab' ich nimmer gefunden.

 

Ein grellfunkelnagelneues Hotel

Stand breit an selbigem Orte:

Kein braunverwettertes Holzgestell,

Ein Gebäude patentester Sorte.

 

Wohl war mein Wirtshaus lediglich

Eine Einkehr für die Bagage -

Das neue, gottlob, das hält auf sich,

Und hat sogar Autogarage!

 

Es gibt dort auch Bols und deutschen Sekt

Und feinsten Aufschnitt, kalten -

Mir aber hätte viel besser geschmeckt

Ein Schwarzbrotkeil in dem alten,

 

Dazu eine Maß vom Bauernfaß

Aus dem Krug mit dem Glaskarfunkel -

Ich blieb nicht lange, ich schritt fürbaß,

Und der Abend war traurig und dunkel.

 


Das Gedicht "Das alte Wirtshaus" stammt von   (1866 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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