Ein holder Jüngling, sagen uns die Alten,

Erscheint allnächtlich an der Ruhestätte,

Er neigt sich sinnbethörend übers Bette,

Still weiß er mit des Mohnes Kraft zu walten.

 

Das ist der Schlaf, er glättet alle Falten,

Zerreißt des Lebens ew′ge Bilderkette,

Und, dass er von des Tags Getrieb′ uns rette,

Führt er den Reigen süßer Traumgestalten.

 

Ich sah ihn lange nicht, es naht statt seiner

Ein ander Bild mir schon seit vielen Nächten,

Ein holdes Mägdlein ist es anzusehen.

 

Doch nicht erbarmt es, wie der Schlaf, sich meiner,

Und, lächelt′s gleich aus dunkeln Lockenflechten,

In Angst und Liebesschmerz muss ich vergehen.


Das Gedicht "Nachtklage" stammt von   (1792 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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