Wo bist du, Zeit der Plage,

Der ungestillten Lust?

Ruhst du, o Glut und Klage?

Wirst du so mild, Verlust?

 

Die Sonne schon im Sinken

Verkläret ihren Schein,

Die Bäum′ und Büsche winken

Die Quellen flüstern drein.

 

Und schon erwachst du wieder,

Du erstes Lieb′sgefühl,

Ihr reinen Jugendlieder,

Du frommes Bilderspiel!

 

O Hoffnung, nicht Verlangen!

O Sehnsucht, nicht Begier!

Ein Beten und ein Bangen

Scheu vor der Himmelstür.

 

Ein Ja aus allen Trieben,

Und wieder keusches Nein;

Das ist das erste Lieben,

Das erste muss es sein!

 

Das ist die Lieb′ auf Erden

In halber Kinderzeit;

Erfüllet wird sie werden

In jener Herrlichkeit.

 

Verlieren und Entsagen,

Das macht auf Erden reich:

Das Finden und Erjagen

Ist für das Himmelreich.


Das Gedicht "Erste Liebe" stammt von   (1792 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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