Ich singe nicht für kleine Knaben,

Die voller Stolz zur Schule gehn,

Und den Ovid in Händen haben,

Den ihre Lehrer nicht verstehn.

 

Ich singe nicht für euch, ihr Richter,

Die ihr voll spitz′ger Gründlichkeit

Ein unerträglich Joch dem Dichter,

Und euch die Muster selber seid.

 

Ich singe nicht den kühnen Geistern,

Die nur Homer und Milton reizt;

Weil man den unerschöpften Meistern

Die Lorbeern nur umsonst begeizt.

 

Ich singe nicht, durch Stolz gedrungen,

Für dich, mein deutsches Vaterland.

Ich fürchte jene Lästerzungen,

Die dich bis an den Pol verbannt.

 

Ich singe nicht für fremde Reiche.

Wie käm′ mir solch ein Ehrgeiz ein?

Das sind verwegne Autorstreiche.

Ich mag nicht übersetzet sein.

 

Ich singe nicht für fromme Schwestern,

Die nie der Liebe Reiz gewinnt,

Die, wenn wir munter singen, lästern,

Daß wir nicht alle Schmolcken sind.

 

Ich singe nur für euch, ihr Brüder,

Die ihr den Wein erhebt, wie ich.

Für euch, für euch sind meine Lieder.

Singt ihr sie nach: o Glück für mich!

 

Ich singe nur für meine Schöne,

O muntre Phyllis, nur für dich.

Für dich, für dich sind meine Töne.

Stehn sie dir an, so küsse mich.


Das Gedicht "Für wen ich singe" stammt von   (1729 - 1781).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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