Die Sonne fährt durchs Morgentor

Goldfunkelnd über den Bergen,

Und wie zwei Veilchen im frühen Mai,

Zwei blaue Augen klar und frei,

Die lachen auf ihren Wegen

Geöffnet ihr entgegen.

 

Glück auf, mein Liebchen ist erwacht

Mit purpurroten Wangen!

Ihr Fenster glitzert im Morgenstrahl

Und alle Blumen in Garten und Tal

Erwarten sie mit Sehnen,

Die Äuglein voller Tränen.

 

Es ist nichts Schöneres in der Welt,

Als diese grüne Erde,

Wenn man darauf ein Schätzlein hat,

Das still und innig, früh und spat,

Für einen lebt und blühet,

Ein heimlich Feuerlein, glühet.

 

Hallo, du später Jägersmann,

Was reibst du deine Augen?

Ich hab′ die ganze Nacht geschwärmt

Und mich am Mondenschein gewärmt

Und steige frisch und munter

Vom hohen Berg herunter.

 

Mein Mädchen durch den Garten geht

Und singt halblaute Weisen;

Mich dünkt, ich kenne der Lieder Ton,

Was gilt′s, ich habe sie alle schon

Heut nacht dort oben gesungen!

Sie sind herüber geklungen.


Das Gedicht "Liebchen am Morgen" stammt von   (1819 - 1890).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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