Wie du im Abendqualm

So einfältig an mir vorübergehst,

Tauchst du in meinen Gleichmutblick den deinen –

Den deinen

Der in dem mageren Gesicht wie eine Frage,

Wie feuchter grauer Schimmer schwimmt –

O unbewußte Mädchenklage –

Dein Auge frägt – dein Auge glimmt –

 

Du hast so sehnsuchtmagere Glieder,

Du trägst noch zartgeflochtene falbe Kinderhaare,

Du hast so aufgeschossene Glieder,

Du bist wohl dreizehn Jahre alt – schon dreizehn Jahre –

Du trägst das blaugepunkte kurze Kleid

Aus Waschkattun,

Du gehst in lächerlichen Kinderschuh′n –

Du steckst noch ganz in Kindlichkeit,

Doch dein Auge – dein Auge allein....

 

Doch gehst du wie in trübem Bangen,

Doch gehst du so befangen –

Ich weiß, es weht der Frühjahrswind –

Die Luft ist dunstigblau, blütenlind –

Du möchtest gern dich selbst erlösen –

 

Geh weiter – weiter, kleines blasses Kind –


Das Gedicht "Dreizehn Jahre alt" stammt von   (1890 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Empfehlungen

Weitere gute Gedichte des Autors:



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte