Leb wohl! leb wohl! im blauen Meer
Verbleicht die Heimat dort.
Der Nachtwind seufzt, wir rudern schwer,
Scheu fliegt die Möwe fort.
Wir segeln jener Sonne zu,
Die untertaucht mit Pracht.
Leb wohl, du schöne Sonn, und du,
Mein Vaterland - gut Nacht!

Aufs neu‘ steigt bald die Sonn‘ heran,
Gebärend Tageslicht;
Nur Luft und Meer begrüss ich dann,
Doch meine Heimat nicht.
ein gutes Schloss liegt wüst und leer,
Mein Herd steht öde dort,
Das Unkraut rankt dort wild umher,
Mein Hund heult an der Pfort‘.

Komm her, komm her, mein Page klein,
Was weinst du, armes Kind?
Fürchtst du der Wogen wildes Dräun,
Macht zittern dich der Wind?
Wisch nur vom Aug‘ die Träne hell,
Das Schiff ist fest gefügt,
Kaum fliegt der beste Falk‘ so schnell,
Wie unser Schifflein fliegt.

Lass brausen Flut, lass heulen Wind,
Mich schreckt nicht Wind, nicht Flut;
Sir Childe, viel andre Ding‘ es sind,
Weshalb ich schlimmgemut.
Denn ich verliess den Vater mein,
Und auch die Mutter traut;
Mir blieb kein Freund als du allein,
Und der dort oben schaut.

[…]

Und nun schwimm ich auf weitem Meer,
Bin einsam in der Welt: –
Sollt ich um andre weinen sehr,
Da mir kein Tränlein fällt?
Mein Hund heult nur, bis neue Speis‘
Ein neuer Herr ihm reicht;
Kehr ich zurück und nah ihm leis –
Zerfleischt er mich vielleicht.

Mit dir, mein Schiff, durchsegl ich frei
Das wilde Meergebraus.
Frag nicht, nach welchem Land es sei,
Nur trag mich nicht nach Haus!
Seid mir willkommen, Meer und Luft!
Und ist die Fahrt vollbracht,
Seid mir willkommen, Wald und Kluft!
Mein Vaterland - gut Nacht!

Alternativer Titel: Abschied von England vor seiner Reise nach Lissabon

Übersetzung: Heinrich Heine
Original Titel auf Englisch: Adieu, Adieu! My Native Shore from Childe Harold, Canto I


Das Gedicht "Gut‘ Nacht" stammt von   (1788 - 1824).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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