An Karl Minnich

 

Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute

In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.

Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,

Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.

 

Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;

Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.

Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.

Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.

 

In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.

Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.

Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;

Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.

 

Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.

Bescheiden ist ihre Stätte wohl bereitet.

Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;

Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.


Das Gedicht "Winkel am Wald" stammt von   (1887 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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