I.

Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist.
Wie traurig dieser Abend.

Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.

Bei der Heimkehr
Fanden die Hirten den süßen Leib
Verwest im Dornenbusch.

Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.

Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
Spinnen suchen mein Herz.
Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.

Nachts fand ich mich auf einer Heide,
Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
Im Haselgebüsch
Klangen wieder kristallne Engel.

II.

Die Totenkammer ist voll Nacht
Mein Vater schläft, ich halte Wacht.

Des Toten hartes Angesicht
Flimmert weiß im Kerzenlicht.

Die Blumen duften, die Fliege summt
Mein Herz lauscht fühllos und verstummt.

Der Wind pocht leise an die Tür.
Die öffnet sich mit hellem Geklirr.

Und draußen rauscht ein Ährenfeld,
Die Sonne knistert am Himmelszelt.

Von Früchten voll hängt Busch und Baum
Und Vögel und Falter schwirren im Raum.

Im Acker mähen die Bauersleut'
Im tiefen Schweigen der Mittagszeit.

Ich schlag' ein Kreuz auf den Toten hin
Und lautlos verliert sich mein Schritt im Grün.


Das Gedicht "De profundis" stammt von   (1887 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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