Zur Nacht auf ihrem Lager lag

Eine arme, kranke Kartoffel.

Sie hob sich matt empor und sprach,

Sie sprach zu dem armen Stoffel:

 

"O Stoffel, unglücksel´ger Mann,

Ich fühl´s, daß ich sterben werde!

Schon kommt der Tod, der schlimme, heran

Und rafft mich von der Erde.

 

Zwar frag ich nach mir selber nicht,

Nicht will ich mich bedauern.

Doch wenn ich schaue dein bleich Gesicht,

Da muß ich trauern und trauern.

 

Dir blüht kein Wein und Weizen nicht,

Hast weder Ochs noch Rinder.

O Stoffel, du bist ein armer Wicht,

Du hast nur hungrige Kinder.

 

Was wird aus deinen Kindern nun,

Die fröhling waren noch gestern,

Wenn ich bald werde im Grabe ruhn

Mit all meinen lieblichen Schwestern?

 

Sie starben in Ober- und Niederland,

Sie starben mit Weh und Gewinsel;

Sie starben an Englands weißem Strand

Und auf der smaragdnen Insel.

 

Sie starben; und ach, ich folg ihnen nach!

So sorach die kranke Kartoffel.

Sie schwieg, und das Herz, das Herz ihr brach -

Auf schluchzte der arme Stoffel.

 

Und weinte die Nacht mit Weib und Kind,

Und der Hunger, der wollte nicht weichen.

Dumpf brauste der kalte Novemberwind

In den prächtigen deutschen Eichen.


Das Gedicht "Das Lied von der verunglückten Kartoffel" stammt von   (1822 - 1856).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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