Germania, der Sieg ist dein!
Die Fahnen wehn, die Glocken klingen,
Elsaß ist dein und Lotharingen
Du sprichst: »Jetzt muß der Bau gelingen
Bald holen wir den letzten Stein

Gestützt auf deines Schwertes Knauf
Lobst du in frommen Telegrammen
Den Herrn, von dem die Herren stammen
Und aus Zerstörung, Tod und Flammen
Steigt heiß dein Dank zum Himmel auf

Nach vierundzwanzig Schlachten liegt
Der Feind am Boden, überwunden
Bis in die Stadt voll Blut und Wunden
Die keinen Retterarm gefunden
Brichst du dir Bahn – du hast gesiegt

Schwarz, weiß und rot! um ein Panier
Vereinigt stehen Süd und Norden
Du bist im ruhmgekrönten Morden
Das erste Land der Welt geworden
Germania, mir graut vor dir

Mir graut vor dir, ich glaube fast
Daß du, in argen Wahn versunken
Mit falscher Größe suchst zu prunken
Und daß du, gottesgnadentrunken
Das Menschenrecht vergessen hast

Schon lenkt ein Kaiser dich am Zaum
Ein strammer, strenger Zepterhalter
Hofbarden singen ihre Psalter
Dem auferstandnen Mittelalter
Und 89 wird ein Traum

Ein Traum? Du sahst, wie Frankreich fiel
Durch einen Cäsar, sahst die Sühne
Vollzogen auf der Schreckensbühne
Deutschland, gedeihe, wachse, grüne
Geläutert durch dies Trauerspiel


Das Gedicht "Germania mir graut vor dir" stammt von   (1817 - 1875).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte