Die Lieb′ ist billich ja in allem keusch zu schätzen /

sie ist das Guhte selbst; wer ihr sich gantz ergiebt /

der wird geliebt / und liebt / der liebt und wird geliebt /

er kan sich ewiglich mit süßer Lust ergetzen /

zu letzt entkompt er auch des Todes grimmen Netzen /

und lebt noch einst so lang / er wird gahr nicht betrübt /

weil er die Frewde hat; im fall er Lieben übt /

kan ihn das Unglück auch zu keiner Zeit verletzen /

er lebt in wahrer Ruh / in stehter Einigkeit /

darff nicht zu Felde ziehn / er führt den süßen Streit.

Wem wil dan nicht dis Tuhn / diß süße Tuhn gefallen /

das uns wie Brodt ernehrt? der muß ein Unmensch seyn /

der stirbet / weil er lebt / er ist ein Klotz und Stein /

er ist ein höltzern Bild / sein Hertz ist vohn Metallen.


Der Text des Gedichts "Die Lieb ist billich ja in allem keusch zu schätzen..." stammt von (* 1621-02-14, † 1638-07-31).




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